Warum ich von dir lesen möchte

„Es gibt doch schon so viele Bücher!“, sagte jüngst eine Bekannte. „Lohnt es sich denn wirklich, dem noch eines hinzuzufügen?“ Nur ein paar Stunden später antwortete eine andere Bekannte auf meine Frage, ob sie lese: „Lesen? Ja, sicher! Ich lese eigentlich jeden Tag. Spätestens im Bett vor dem Einschlafen.“

Schon als Kind und noch bis weit ins Erwachsenenalter hinein, hatte ich fast immer ein Buch dabei. Allein, es in der Tasche zu wissen, beruhigte mich. Bücher bedeuten mir Trost und Unterschlupf, wenn ich mich einsam und traurig fühle. Es muss kein bestimmtes Buch sein. In der Fremde zum Beispiel hat es mir manchmal schon gereicht, nur etwas in deutscher Sprache zu lesen.

Unvergesslich der Abend nach einem langen Tag in Norwegen, an dem ich mit meinem Weggang von zu Hause haderte, mich ganz und gar verlassen fühlte. Abends fand ich dann in der Herberge unter dem Bett einen Krimi von Agatha Christie in deutscher Übersetzung. Ich las ihn in der Dämmerung draußen auf der Terrasse und als es Nacht wurde, war ich wieder versöhnt mit mir und meinem Leben.

Als ich bemerkte, dass ich lesen kann, saß ich nachmittags in meinem Zimmer auf dem Bett. Es war ein Kinderbuch, dass mir schon x-mal vorgelesen worden war. Wieder ging ich es Zeile für Zeile durch und plötzlich wurde mir bewusst, dass ich die Buchstaben zu Worten zusammenfügte. Statt mir die Sätze auswendig vorzusagen, konnte ich sie lesen. Einer der aufregendsten Momente in meinem Leben. Intuitiv wusste ich, dass mir von nun an die Welt offen stand.

Bücher bedeuten für mich Wissen, sie regen meine unendliche Neugier auf alles Neue an. Sie sprengen Grenzen, rücken Vorurteile zurecht, lassen mich Dinge anders sehen, zeigen mir, wie es auch noch gehen könnte. Sie animieren mich zu eigenen Reflexionen, helfen mir, Gedankensplitter zu stimmigen Bildern zusammenzusetzen. Sie unterhalten mich, katapultieren mich für ein paar Stunden aus meinem Alltag, sorgen für Ablenkung und frischen Wind. Manchmal gibt es einfach nichts Schöneres, als eine Geschichte zu lesen, die gut ausgeht.

Warum der Vielzahl an Büchern noch ein eigenes hinzufügen? Damit der Strom nicht abreißt! Weil nichts bleibt wie es ist und jede und jeder eine ganz eigene Art hat, davon zu erzählen, warum etwas nicht funktioniert oder eben doch. Bei einigen trifft diese Geschichte auf Resonanz, bei anderen nicht, je nachdem.

Mit Büchern ist es wie mit dem Schmetterling, dessen Flügelschlag den Lauf der Welt verändert: Man weiß nie, bei wem das Geschriebene ankommt, doch wenn es den Nerv trifft, kann es der Auslöser für neues Denken und Handeln sein. Manchmal sogar für die Autorin selbst.

Schreibanregung

Warum liest du? Wo und wann liest du? Was liest du? Hast du LieblingsautorInnen? Was gefällt dir an ihrem Stil und ihren Geschichten besonders? Was passiert mit dir, während du liest? Hast du ganz besondere Lese-Erinnerungen? Schreibe drüber, was dir die Bücher und das Lesen bedeuten und was für Schlüsse du daraus für dein eigenes Schreiben ziehen willst! Viel Spaß!

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