Stelldichein

Warum tue ich mir das mit dem Schreiben an? Was soll das alles? Mein Schreibtisch ist ein Abstellgleis. Das liest sowieso niemand. Wen interessiert ’s? Da draußen, wo die anderen sind, ist es doch viel, viel schöner!

Ich habe es satt, mich jedes Mal wieder neu zum Schreiben entscheiden zu müssen. Ich bin es leid, mir immer wieder die Sinnfrage zu stellen, mit dem Alleinsein beim Schreiben zu hadern oder an meinem Perfektionsanspruch und Ideal zu scheitern. Ich will endlich einfach dranbleiben und kontinuierlich schreiben. Ich will Ergebnisse und etwas fertig stellen.

Ich überlege, was mir fehlt, beziehungsweise, was mir helfen und wer mich unterstützen kann. Folgendes habe ich notiert:

Ich brauche einen Schreibanlass. Ich brauche einen Termin. Ich brauche Resonanz. Ich brauche eine Gruppe. All das brauche ich so oft wie möglich und vor allem regelmäßig.

Je regelmäßiger desto besser, denke ich. Sobald ein Termin zur Routine geworden ist, entfällt die Entscheidung, ob es sich jetzt wirklich lohnt, mich aufzuraffen oder nicht. Egal, ob ich gerade gut drauf bin, mich total uninspiriert fühle oder mein Kopf voll mit anderen Dingen ist: Termin ist Termin.

Für den Anfang mache ich es mir leicht. Ich buche einen Schreibkurs, der einmal in der Woche stattfindet. Da er mich eine Stange Geld kostet, gehe ich auch hin, sonst wäre die Ausgabe ja Verschwendung und umsonst gewesen.

Das regelmäßige Schreiben im Kurs tut mir gut. Ich erhöhe den Schwierigkeitsgrad und buche ein Seminar, in dem ich aufgefordert bin, eigene Arbeitsproben mitzubringen. Die Texte werden vor Ort besprochen. Habe ich keinen eigenen dabei, bekomme ich kein Feedback. Nun sitze ich wieder allein am Schreibtisch, freue mich aber schon auf die Resonanz im Seminar.

Derweil lerne ich andere Schreibende kennen und trete einer sich selbst organisierenden Feedback-Gruppe bei. Wir treffen uns alle vierzehn Tage und besprechen unsere zuvor reihum verschickten Texte. Eine Zeitlang klappt das prima. Dann kommt es zu Querelen und die Gruppe fällt auseinander. Ich gründe eine neue Feedback-Gruppe und bleibe dran!

Ich überlege, auf einer Lesebühne oder bei einem Poetry Slam vorzutragen, aber ich bin nicht wirklich der Typ dafür. Stattdessen entdecke ich Schreib- und Literaturwettbewerbe als Schreibanlässe. Zur Belohnung erhalte ich immerhin die Gelegenheit, einen Text in einer Anthologie zu veröffentlichen.

Und dann habe ich die Idee mit dem Blog. Nach einigem Hin und Her lege ich Thema, Format und Termin fest und dann geht es auch schon los.

Obwohl ich nun nicht nur beim Schreiben allein bin, sondern in der Regel auch kein Feedback erhalte, funktioniert es für mich recht gut. Es gefällt mir, relativ rasch Ergebnisse zu erzielen und schon bald auf eine Reihe fertiger Beiträge blicken zu können.

Am Anfang hilft mir noch mein Wille zur Pflichterfüllung, der tatsächlich größer ist als mein Anspruch an Perfektion – wer hätte das gedacht. Doch erstaunlich schnell wird eine Routine daraus. Mein Inneres Team in Sachen Blog-Beitrag hat sich verselbständigt und arbeitet inzwischen quasi autonom. Nur ganz selten muss ich es vielleicht auch mal ein wenig scheuchen.

Schreibanregung

Schaffe dir regelmäßige Schreibanlässe. Das kann ein eigenes Vorhaben oder eine Aufgabe sein, die dir jemand anderes stellt. Es kann die Gelegenheit zur Veröffentlichung oder für ein Feedback sein. Es kann auch einfach ein kontinuierlich stattfindender Termin mit dir selbst oder mit anderen sein. Was passt am besten zu dir? Wie wichtig ist dir Resonanz und Feedback? Brauchst du vielleicht nicht nur einen festen Termin sondern auch einen ganz bestimmten Platz oder Ort zum Schreiben? Schreibst du lieber allein oder in Gesellschaft? Finde schreibend heraus, was dir persönlich wirklich hilft, um dranzubleiben. Gutes Gelingen!

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