Solvitur ambulando – Beim Gehen wird es gelöst

Wenn der Kopf schwirrt, die Gedanken sich immer schneller drehen, ohne eine Richtung oder gar ein Ziel zu kennen, wird es Zeit für eine Lösung.

Raus aus der Wohnung und den eingetretenen Pfaden folgen. Um neue anzulegen, ist jetzt viel zu viel los im Kopf. Mich auf nichts mehr konzentrieren müssen, auch nicht auf den Weg, einfach nur gehen. Gehen wie in Trance, mich auf das Atmen konzentrieren, auf das Licht, das auf meine Augen trifft, auf den Herzschlag und das Pulsieren des Blutes in meinen Adern, nichts sonst. Die Gedanken ziehen lassen, sie sich auflösen lassen, verdampfen, verdunsten, verschwinden.

Manchmal reichen schon wenige Schritte, manchmal muss ich zwei, drei Stunden gehen, bevor der Kopf wieder klar ist. Welch Hochgefühl, wenn dann alles leicht erscheint, die Brust sich weitet und die Sicht schärfer wird. Wenn ich wahrnehmen und genießen kann, was da ist.

Mindestens einmal täglich gehe ich vor die Tür, um nichts anderes zu tun, als meine Gedanken ziehen zu lassen. Auf meinen Spaziergängen und Wanderungen finde ich jene Wege, die ich an den Tagen brauche, an denen gar nichts mehr geht. An denen ich nach draußen flüchte, raus aus dem Haus und aus dem Kopf, hinaus ins Freie, wo sich alles lösen kann beim Gehen.

Und dann, wenn der Kopf frei ist, tröpfeln neue Gedanken ins Bewusstsein, geordneter jetzt und dichter an einer Lösung. Zuweilen fahren sie mir plötzlich und mit Wucht ins Hirn, präsentieren eine völlig neue Idee, vielleicht in letzter Minute, wenn ich schon den Schlüssel wieder ins Schloss meiner Wohnungstür schiebe. Ich laufe zum Schreibtisch und schreibe auf, was mir beim Gehen eingefallen ist.

Stecke ich in umfangreicheren gedanklichen Problemen fest, nehme ich etwas zu Schreiben mit auf den Weg. Unterwegs notiere ich Einfälle und Formulierungen. Oder ich mache Rast, um mich in Ruhe dem Aufschreiben zu widmen.

Das Gehen ist mein Rezept für Klarheit und Inspiration auch beim Schreiben – und das zu jeder Jahreszeit.

Schreibanregung

Mache das absichtslose Gehen zu deinem täglichen Ritual. Verknüpfe deine Spaziergänge mit dem Schreiben. Vielleicht unterbrichst du dein Schreiben regelmäßig für einen Spaziergang oder du beginnst das Schreiben mit einem Spaziergang. Vielleicht beschließt du dein Schreiben mit einem Spaziergang und notierst unterwegs, was an Gedanken zu dem, was du geschrieben hast, noch nachkommt. Je öfter du gehst, desto einfacher ist es, auch in schwierigen Situationen einfach loszulaufen, den alt bekannten Pfaden zu folgen, ohne einen Gedanken auf den eingeschlagenen Weg richten zu müssen, um allmählich wieder klarer zu werden. Wünsche dir gutes Gehen!

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