Sinnlichkeit

Im Spiegel mein blasses Gesicht: die Haut fahl, die Haare schlaff, der Ausdruck freudlos. Der ganze Körper fühlt sich kraftlos an, die Gelenke wie eingerostet. Zur Beschreibung des Gemüts passt die Farbe Grau. Entmutigt frage ich mich, wie das je wieder anders werden kann? Die Antwort lautet: Ein Fest für die Sinne muss her!

Ich lasse mir Zeit, die Dinge, die ich berühre, zu ertasten, ihre Textur und Temperatur zu erfassen. Beim Essen und Trinken schließe ich die Augen, konzentriere mich auf die Nuancen des Geschmacks. Ich rieche an allem, spüre Düften und Gerüchen nach. Ich sehe die Dinge, die Formen, die Farben und das Licht. Ich höre die Laute, Töne, Geräusche und die Stille.

Ich starte ein Verwöhnprogramm für meinen Körper: ausführlich zelebrierte Pflege von Haut und Haar, Zähnen und Nägeln. Ein Spaziergang in der Natur und einen Strauß Blumen mitgebracht. Ein köstliches Menü bei Kerzenschein nur für mich allein. Dazu Musik und passende Lektüre. Eine lange, geruhsame Nacht in duftend frischer Wäsche.

Die kleine, private Modenschau zu Hause: mal wieder etwas Gewagteres, Figur und Farbe zeigen. Die „Sinnlichkeit“ mit Lust an Inszenierung und am Spiel schwelgt schon in Fantasien. Schmeichelnd, verführerisch und einfach reizend.

Der Auftritt ist das Wichtigste, behauptet die „Sinnlichkeit“, sich der eigenen Attraktivität durchaus bewusst. Haltung, Gang und Blickkontakt, aus allem spricht das Vergnügen, sie selbst zu sein.

Und vielleicht ein Auge auf jemanden geworfen zu haben.

Erotisches Potenzial ist ein Spezialgebiet der „Sinnlichkeit“: Andeutung und Verlockung, kokettieren, entzücken, poussieren, umwerben und sich umwerben lassen. Die „Sinnlichkeit“ ist sich selbst Aphrodisiakum. Sie begehrt und gibt sich hin. Leidenschaftlich gern. Gerät sie in Rausch, Verzückung und Ekstase. Räkelt sich in Wollust.

Ja, seit die „Sinnlichkeit“ wieder mitmischt und über die Wahl der Kleidung, den Aufwand an Körperpflege und die Prioritäten bei Begegnungen und Freizeitgestaltung entscheidet, ist der Blick in den Spiegel wesentlich erfreulicher geworden: Guten Morgen, schöne Frau!

Schreibanregung

Wie steht es um deinen inneren Anteil „Sinnlichkeit“ und dessen (Selbst-)Inszenierung? Was liebt dieser Teil besonders? Was wünscht er sich? Was wünscht er sich von dir? Was kannst du tun, damit er sich besonders wohl und beachtet fühlt? Stell dir vor, wie dein innerer Anteil „Sinnlichkeit“ aussieht, was für Kleidung er trägt, wo er sich am liebsten aufhält. Hat er einen Namen? Führe ein Interview. Frage ihn, wie er sich fühlt und was für Vorschläge er für die Zukunft hat? Viel Vergnügen euch beiden!

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