Regentage

Regentage können so wunderbar zeitlos sein. Das graue Nass da draußen macht es mir leicht, mich in mich selbst zurückzuziehen. Mir selbst gegenüber großzügig zu sein. Nichts mehr erledigen oder reparieren zu wollen. Mir eine Atempause zu gönnen. Alles sein zu lassen wie es ist. Eine Kerze anzünden, Tee kochen und nachspüren. Mich inneren Regungen hingeben. Auf imaginäre Reisen gehen. In Fantasien schwelgen. Schreibend tagträumen. In mir selbst zu Hause sein.

Ich muss Besorgungen machen, habe einiges vor und ich bin in Eile. Der Wind drückt gegen den Schirm, die Kälte kriecht unter die Haut, es ist so nass. Ich beschleunige die Schritte und schaffe die Ampel trotzdem nicht. Der Verkehr rollt an, ich komme zu spät. Eine Bö fährt unter den Schirm, stülpt ihn um, mein Gesicht ist klatschnass, von den Haaren tropft es. Mein Blick fällt auf das Schaufenster eines Cafés, drinnen brennt Licht, es sieht behaglich aus. Ich gehe hinein.

Drinnen ist Ruhe. Wärme. Der Duft nach Zimt und Espresso. Das schöne Lied, das sie spielen. Ich hänge den nassen Mantel auf, wähle einen Tisch am Fenster und bestelle eine Kanne Tee. Draußen überschwemmen Sturzbäche die Straßen. Ich lasse alles, was ansteht, sein. Mein Handy und die ToDo-Liste bleiben in der Tasche, nur das Heft und den Stift hole ich heraus. Ich schreibe auf, was ich wahrnehme, erinnere, zu verstehen glaube. Ich schweife schreibend in die Ferne und in die Weite, umrunde einmal die Welt, um mich dann ganz langsam und allmählich wieder im Café einzufinden. Draußen regnet es. Ich trinke den letzten Schluck, blase das Teelicht aus und zahle. Ich ziehe den klammen Mantel an, trete vor die Tür, spanne den Schirm auf und gehe meiner Wege.

Schreibanregung

Gönne dir schreibend eine Auszeit! Bei Regen oder Sonnenschein, zu Hause, im Café, im Park oder in der Bibliothek: Finde deinen Platz zum Schreiben und widme dich eine halbe Stunde lang dir selbst. Vielleicht lässt du für diese Auszeit etwas anderes sein, vielleicht wird sie dir geschenkt, weil ein Termin platzt, vielleicht nimmst du sie dir sowieso schon regelmäßig. Die Zeit, in der das Ich Platz hat und du dir inneren Freiraum schaffst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.