Premieren

„Wenn du willst, was du noch nie gehabt hast, dann tu, was du noch nie getan hast“, lautet ein Zitat aus meiner Sprüchesammlung. Klingt logisch, denke ich, und veranstalte nun regelmäßig Premieren für mich.

Alle vierzehn Tage halte ich den Samstagnachmittag und -abend frei für etwas, das ich noch nie getan habe. Je nach Wetter, Lust und Laune wähle ich aus meiner Liste mit Einfällen für kleine und große Premierenfeiern.

Ich nehme an einer Tangoeinführung für Singles teil, besuche einen Ikebanakurs, höre einen Vortrag über Künstliche Intelligenz in der Urania, gehe zum Meditieren ins Buddhistische Kloster. Ich sehe einen Dokumentarfilm über ein mir unbekanntes Phänomen in einem Kino, in dem ich noch nie gewesen bin.

Ich kaufe Essenszutaten in Läden, in denen ich noch nie eingekauft habe, um etwas total Exotisches zu kochen und zu trinken, was ich noch nie getrunken habe. Dazu lade ich Leute ein, die ich noch nie eingeladen habe.

Ich entdecke neue Transportmittel, gehe rudern, paddeln oder segeln, leihe Schlittschuhe und Rollschuhe aus, gehe auf Stelzen, springe Trampolin, fliege im Fesselballon und wage vielleicht einen Tandemsprung.

Schon mal Minigolf gespielt? Geklettert? Lachyoga im Park praktiziert? Ein Blind Date getroffen? Auf Sightseeingtour in der eigenen Stadt gewesen? Eine Radtour mit dem ADFC gemacht? Oder eine Führung durch den Botanischen Garten? Eine Lange Nacht oder einen Tag der offenen Tür genutzt? Stundenlang auf einer Wiese gelegen? Auf einen Baum geklettert? Einen Schneemann gebaut?

Meine Liste wird länger und länger, ich werde zum Premieren-Junkie. Alle vierzehn Tage ein Samstag reicht schon längst nicht mehr, ich feiere Premieren jetzt auch im Alltag.

Plötzlich ganz anders reagieren, etwas Ungewohntes tun oder sagen. Mal mit jemand weniger Bekanntem zum Essen gehen, jemanden Fremdes ansprechen, neue Wege finden, eine andere Haltung und Gangart wählen, die Linke statt die Rechte benutzen, barfuß laufen, neue Aufgaben übernehmen.

Alsbald dekoriere ich meine Wohnung um, frische meine Garderobe auf, ändere die Frisur. Ich erweitere meinen Freundeskreis, betreibe ein neues Hobby, entwickle neue Gewohnheiten. Ich wechsele den Job.

Bei allen Premieren begleite ich mich schreibend. In meinem Premierentagebuch erzähle ich über die Erlebnisse und Erfahrungen, darüber wie es sich angefühlt und was es bewirkt hat. Jeden Eintrag schließe ich mit mindestens einem Wunsch für die nächste Premierenfeier.

Schreibanregung

Erstelle eine Liste mit Einfällen für deine Premieren. Ergänze die Liste, wann immer dir etwas Neues dazu einfällt. Lege Tage und Häufigkeit deiner Premieren fest und trage die Termine in deinen Kalender ein. Besorge ein Heft oder eine Kladde für dein Premierentagebuch. Realisiere deine Premieren und schreibe darüber. Schreibe auf, was du erlebt hast, wie es sich angefühlt hat, was du im Nachhinein darüber denkst und worauf du als nächstes Lust hast. Viel Spaß!

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