Musenkuss

Ich würde mich so gern von einer Muse küssen lassen! Wie kann ich sie nur zu mir locken? Wo kann ich sie finden? Wer ist sie überhaupt?

Die Musen, griechischen Schutzgöttinnen der Künste und Wissenschaften, Töchter des Zeus und der Mnemosyne, ihrer neun an der Zahl:

Kalliope, Muse der epischen Dichtung, ausgestattet mit Wachstafel und Griffel. Melpomene, Muse der Tragödie, zu erkennen an der tragischen Maske. Thalia, Muse der Komödie trägt die komische Maske. Euterpe, Muse der Musik mit ihrer Flöte. Terpsichore, Muse des Tanzes mit der Leier. Erato, Muse der Liebesdichtung. Polyhymnia, Muse des feierlichen Gesanges. Klio, Muse der Geschichtsschreibung, mit den Attributen Papyrusrolle und Griffel. Urania, Muse der Sternenkunde mit Himmelsglobus und Zeigestab.

So viele Musen, da wird doch mal eine Zeit für mich haben? Von welcher will ich mich denn überhaupt küssen lassen? Und wie zeige ich, dass ich bereit bin für ihren Kuss? Wenn ich mich von einer Muse küssen lassen will, muss ich ihr wohl auch die Chance dazu geben.

Zu manchen kann ich mich hin bewegen, denn sie hausen in den Bibliotheken und Konzertsälen dieser Stadt. Sie haben sich in Museen und Galerien eingenistet. Schweben durch die Hörsäle der Universitäten und Akademien. Wenn ich mir die Zeit nehme, mich auf das, was dort geboten wird, wirklich einzulassen, dann kann es passieren, dass ich ihn plötzlich spüre, den Musenkuss.

Einige der Musen mischen sich zuweilen auch in Gespräche, in einen erregten Austausch mit einem Gegenüber, in eine innige Verbindung, zum Beispiel beim Tanz. Sie erscheinen mitten im Tun, noch während ich stolpernd vorwärts taste, küssen sie mich direkt auf die Stirn.

Wieder andere überraschen mich bei einer Wanderung in freier Natur oder beim Betrachten eines Sonnenuntergangs. Sie tauchen auf, wenn ich in die Stille gehe, mich von Gedankenkarussellen befreie, die Aufmerksamkeit nach innen richte, auf das lausche, was ist.

Besonders in solchen Momenten bin ich versucht zu glauben, die Muse sei ein Teil von mir. Ich stelle sie mir als einen lichten Engel vor, sehr gütig und sehr klug. Sie mag kein lautes Geschwätz, keine Drohgebärden und keinen Stress. Sie liebt die Muße, die Kontemplation und Konzentration. Sie schätzt den Versuch, mein Wollen und die Möglichkeit. Ihr Element ist die Neugier, das Vertrauen, die Offenheit und der Humor.

Schreibanregung

An welchen Orten küsst dich die Muse besonders gern? Mache dir schreibend ein Bild von deiner Muse. Wie sieht sie aus? Wo hält sie sich am liebsten auf? Was gefällt ihr gar nicht? Was mag sie besonders? Was bedeuten dir ihre Küsse? Wie kannst du die Verbindung zu ihr noch enger gestalten? Schreibe einen Liebesbrief an deine Muse. Gutes Gelingen!

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