Lob der Langsamkeit

Bei einem Vortrag zum Thema Unternehmensgründung gewesen. Sehr interessant. Besonders dankbar aber bin ich für den eindringlichen Appell des Professors am Ende seiner Rede: „Ein gutes Konzept muss reifen! Lassen Sie sich Zeit. Inspiration und Intuition finden Sie in der Muße, nicht in der Hektik des Alltags.“

Augenblicklich wurde mir klar, dass meine Nervosität vor allem daher rührte, gedanklich mal wieder viel zu weit vorgeprescht zu sein. Statt in Ruhe das Grundsätzliche zu klären, wähnte ich mich bereits kurz vor dem Ziel, und zwar als Verliererin, da ich ja noch immer keine Erfolge vorzuweisen hatte. „Tu etwas!“, schrie eine Stimme in mir. „Egal was, Hauptsache, du unternimmst jetzt endlich etwas!“

Nun also die Aufforderung zur Gelassenheit. „Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten“, lautet einer meiner Lieblingssprüche. Höchste Zeit, mich danach zu richten.

„Inmitten der Schwierigkeit liegt die Möglichkeit“, soll Albert Einstein gesagt haben. Wie aber, und da bin ich wieder beim Professor, kann ich das erkennen, wenn mein Blick panisch und starr auf das Problem gerichtet bleibt, weil ich mich selber unter Zeitdruck setze? „Wenn du es eilig hast, geh langsam“, ist ein viel zitiertes Bonmot. „Es ist“, schrieb Natalie Goldberg, „als ob man Essig und Öl schüttelnd vermischt und darauf wartet, dass sich der Essig wieder absetzt. Das Öl wird wieder klar. Sie werden wieder klar.“

„Je stiller du bist, desto mehr kannst du hören.“

Abraham Lincoln hat gesagt: „Wenn ich zehn Stunden Zeit hätte, einen Baum zu fällen, würde ich neun Stunden davon auf das Schärfen der Axt verwenden.“

Und ein guter Freund schrieb mir jüngst: „Aber im Kreis drehen finde ich gar nicht so verkehrt, zumindest so lange, bis man die Runde beherrscht, so dass man in der nächsten nicht direkt aus der Kurve fliegt.“

„Wer das Surfen liebt, muss auch das Paddeln mögen.“ Ja, manchmal geht es vielleicht einfach nur darum, auf die richtige Welle zu warten. Du spürst, wenn es soweit ist. Alles fühlt sich plötzlich selbstverständlich an, ein Schritt folgt auf den anderen und es scheint wie von selbst zu laufen. So ist es immer, irgendwann, früher oder später. Wenn man Geduld hat. Wenn man warten kann.

„Ein Grashalm wächst nicht schneller, indem man an ihm zieht.“

„Am ruhigen Fluss ist das Ufer voller Blumen.“

„In der Ruhe liegt die Kraft.“

„Lass uns faul in allen Sachen, nur nicht faul zu Lieb und Wein, nur nicht faul zur Faulheit sein“, schrieb Gotthold Ephraim Lessing.

Und zum Schluss mein Lieblingsmotto: „Langsam geht man auch weit.“

Denn: „Tropfen für Tropfen sammelt sich und mit einem Mal ist es ein Ozean.“

Schreibanregung

Bei welchen Angelegenheiten verlierst du dich allzu leicht in hektischer Betriebsamkeit? Oder steckst den Kopf vor lauter Panik schon in den Sand, bevor du überhaupt angefangen hast? Wann kann Gelassenheit die bessere Ratgeberin sein? Schreibe auf, wie es sich anfühlt, einen Schritt zurückzutreten und dir Zeit zu nehmen, um dem nachzuspüren, was ist. Was ist anders, wenn du langsamer bist? Kommen neue Gedanken und Gefühle auf? Wie viel Zeit brauchst du, um ganz entspannt zu sein? Schreibe deinen Text zu Langsamkeit und Gelassenheit!

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