Blockaden

„Kennst du eigentlich so was wie Schreibblockaden?“, fragte mich ein Freund. „Und wenn ja“, fragte er weiter, „wie gehst du damit um? Setzt du dich dann trotzdem hin, schreibst erst mal nur irgendwas, oder was machst du dann?“ – Tja, was mache ich dann? Kommt darauf an. Denn DIE Schreibblockade gibt es nicht und also auch kein Patentrezept. Für mich zumindest nicht. Vielleicht weiß jemand eines?

Meiner Meinung nach gibt es schon mal sowieso keine SCHREIBblockaden, es sein denn man hat sich das Handgelenk verstaucht, Artrose in den Fingern oder ähnlich mistige körperliche Probleme. Ich denke, die Blockade hängt oft eher mit dem SchreibVORHABEN zusammen.

Wenn der Widerwille, etwas zu Papier zu bringen, in mir auftaucht, höre ich gern schreibend in mich hinein. Gibt es da vielleicht eine Stimme, die sich durch mein Vorhaben beunruhigt fühlt? In der Regel bekomme ich schnell Rückmeldung: Ja, die gibt es! Welche Stimme das genau ist und was sie mir jeweils zu sagen hat, ist allerdings von Fall zu Fall recht unterschiedlich. „Für so was hast du gar keine Zeit!“, ist eine häufige Antwort. Oder: „Was soll das überhaupt, das liest doch sowieso keiner!“ Oder: „Das Ganze ist noch absolut nicht richtig durchdacht!“ Oder: „Bist du sicher, dass du das kannst?“ Manchmal auch: „Pass bloß auf, dass du dich nicht lächerlich machst!“ Oder: „Das ist mir zu schwierig. Dazu fällt mir jetzt nichts ein.“

Mich über die Einwände der Stimmen mit Hilfe von Disziplin hinwegzusetzen, ist unter dem Druck tatsächlicher oder eingebildeter existenzbedrohender Umstände immer eine Option. Mittelfristig jedoch mischen sich dieselben Stimmen dann doch wieder ein. Besser also, denke ich, mich ihnen beizeiten zu widmen. Dabei kommt zum Beispiel heraus, dass es tatsächlich zuträglicher ist, erst einmal die Dinge zu erledigen, die wirklich wichtig und dringend sind, um dann den Rücken frei und genug Ruhe zu haben. Außerdem erkenne ich, dass mir Resonanz während des Schreibprozesses so wichtig ist, dass ich mit Freunden eine Feedbackgruppe gründe. Ich kann klären, dass das Konzept Lücken hat und ich die Anordnung des Stoffes überdenken muss. Darüber hinaus wird mir klar, dass mir schlicht noch Informationen fehlen, die es zu beschafft gilt. Und ich verstehe, dass mir das Vorhaben doch etwas zu groß geraten ist, ich es also abspecken und mir insgesamt mehr Zeit dafür einräumen will. Vielleicht merke ich auch, dass mich das Thema nicht wirklich interessiert und ich mir besser ein anderes suche.

Wie auch immer die Selbstbefragung ausfällt, ich bekomme Antworten, die ich umsetzen und so den Weg frei machen kann.

Schreibanregung

Befrage die Stimme in dir, die wegen deines Schreibvorhabens Bedenken hat. Bitte sie, in ihren Antworten so konkret wie möglich zu sein. Hake notfalls nach: Was genau an dem Vorhaben versetzt dich in Unruhe? Welche Bedürfnisse scheinen dir zu kurz zu kommen? Was fehlt dir noch? Was bräuchtest du, um deine volle Zustimmung zu dem Vorhaben geben zu können?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.