Bedingungsloses Grundeinkommen

Interessante Sendung im Deutschlandradio Kultur gehört: Der Verein „Mein Grundeinkommen“ sammelt per Crowfunding genug Geld, um bereits zum 132. Mal ein bedingungsloses Grundeinkommen von je 1000 Euro im Monat, befristet auf ein Jahr, verlosen zu können.

Der Initiator Michael Bohmeyer erhält seit 2014 aus seinem vor Jahren gegründeten Internetunternehmen um die 1000 Euro im Monat, ohne dort noch tätig zu sein. Am Anfang, sagt Bohmeyer, habe sich die neue Freiheit „schrecklich“ angefühlt. Doch nach drei, vier Monaten stellte sich eine innere Ruhe ein, die ihn „aufblühen“ ließ. Er sei jetzt kreativer, lustiger, führe bessere Beziehungen und lebe gesünder, sagt er.

Erste Erfahrungen mit den verlosten Grundeinkommen zeigen, dass die meisten der Beschenkten im Prinzip weiter machen wie bisher, dabei aber deutlich weniger gestresst sind und besser schlafen können. Neben der finanziellen Entlastung scheint die Grundsicherung vor allem einen Freiraum im Kopf zu bewirken. Neue Ideen zur eigenen Lebensgestaltung entstehen, das Interesse an Weiterbildung, sozialem Engagement und alternativen Lebensformen steigt.

Macht ein bedinungsloses Grundeinkommen tatsächlich aktiv und kreativ oder einfach nur faul? Skeptiker weisen darauf hin, dass einige Menschen mit der neuen Eigenverantwortlichkeit überfordert sein könnten. Sie würden das Geld nicht richtig einteilen oder sich vorschnell aus dem Erwerbsleben zurückziehen und dadurch den Halt verlieren. Stimmt: Arbeit kann sinnstiftend und strukturgebend sein. Was bin ich wert ohne meine Arbeit? Oder: Was bin ich noch wert, wenn alle ihr Geld einfach geschenkt bekommen?

Kann sein, dass die Sinnlosigkeit so mancher Tätigkeit offenbar wird, wenn der Zweck des Geldverdienenmüssens verlustig geht. Auch gesundheitsgefährdende Rahmenbedingungen und respektloser Umgang würden wohl nicht länger ausgehalten und hingenommen werden, wenn ein bedingungsloses Grundeinkommen die eigene Verhandlungsposition stärkt. Es könnte Burnouts vermeiden helfen, die Lösung der „Rentenfrage“ sein, die immer größeren Einkommensunterschiede abfedern und dazu beitragen, die Wandlung von Arbeit im Zuge der Digitalisierung und Automatisierung zu meistern.

Das bedingungslose Grundeinkommen als Hilfe zur Selbsthilfe für ein gutes Leben? Doch was genau ist ein „gutes“ Leben? Was macht das mit uns, fasst Michael Bohmeyer sein Forschungsinteresse zusammen, wenn jeder etwas bekommt, ohne etwas dafür leisten zu müssen?

Was ich tun würde, wenn ich das bedingungslose Grundeinkommen bekäme? Natürlich würde ich einen Roman über das bedingungslose Grundeinkommen schreiben! Wahrscheinlich wäre es eine Dystopie. Es könnte ja sein, dass die Einführung genutzt wird, um Überwachung und Social Scoring voranzutreiben. Nach dem Motto: Solidarität ist doch nicht ganz bedingungslos. Wer in den Genuss der bequemen Existenzsicherung kommen will, muss sich – auch im Namen der Terrorabwehr – gesellschaftskonform verhalten. Interessanter Punkt: Wer legt fest, was “gesellschaftskonform“ im Detail bedeutet? Na klar, die Algorithmen. Und deren Berechnungsgrundlage für den schönen, neuen Weltfrieden sind unsere Daten. Blöd nur, dass ich mich schon allein beim Gedanken daran wie ferngesteuert fühle.

Also mal im ernst: Als ich mich eben für die Verlosung bei „Mein Grundeinkommen“ registriert habe, gab ich als Verwendungszweck die Gründung einer „Schreibwerkstatt für Zukunftsfragen“ an. Falls jemand weiß, wie ich das auch ohne Grundeinkommen schaffe, bitte gern bei mir melden!

Schreibanregung

Stell dir vor, du bekommst ab sofort ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1000 Euro im Monat. Schreibe auf, wie du das Geld verwendest. Was tust du? Arbeitest du weiter wie bisher, verkürzt du die Arbeitszeit, suchst du dir eine andere Arbeit, hörst du auf zu arbeiten? Vielleicht machst du dein Hobby zum Beruf oder startest gemeinsam mit anderen eine Unternehmung? Vielleicht fängst du eine neue Ausbildung an oder schließt eine alte ab? Es ist deine Entscheidung!

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