Baustellen

„Dein Leben scheint ja gerade eine einzige Baustelle zu sein.“ – Liegt da Bedauern in der Stimme? Aber ich liebe Baustellen! Kann gar nicht genug davon kriegen! Die Möglichkeit zu expandieren, etwas in Gang zu bringen, etwas wachsen zu sehen. Gestalten können, Lösungen finden. Materialien beschaffen, HelferInnen organisieren, Synergien nutzen. Neue Baustellen planen! Wunderbar!

Zugegeben, manchmal wird die Anzahl der Baustellen auch mir zu viel. Dann ist es höchste Zeit, einige davon abzuwickeln, an andere abzugeben oder einfach mal für eine Weile auf Eis zu legen. Ich gestehe, dass ich auch schon Baustellen geschlossen habe, ohne überhaupt etwas repariert zu haben. Na ja, wem passiert das nicht: Man hat eine zündende Idee, schafft Platz für die Umsetzung, kehrt in der Vorbereitung das Unterste zu Oberst und dann versiegt der Elan. Der Sinn des Unterfangens kommt einem abhanden. Die Mittel fehlen. Oder etwas Neues drängelt sich dazwischen, erscheint plötzlich wichtiger und dringender. Zum Glück lassen sich sogar aus fertigen Baustellen ganz schnell wieder eine neue entwickeln. Hauptsache, ein Projekt ist in Arbeit oder zwei oder drei.

Oft genug versuche ich, auch Freunde und Bekannte für meine Baustellen zu begeistern. Das gelingt nicht immer. Es gibt Menschen, die mögen keine Baustellen. Oder sie haben selbst schon zu viele davon. Es gibt Menschen, die brauchen nur eine einzige Baustelle. Sie verehren diese Baustelle ihr Leben lang, pflegen und hegen sie, schmücken sie regelrecht aus. Wenn man sie fragt, wann sie vorhaben, ihre Baustelle zu schließen, reagieren sie ungehalten und wechseln das Thema. Und dann gibt es natürlich auch solche Menschen, die ihre eigenen Baustellen brach liegen lassen, während sie sich mit Hingabe um die von anderen kümmern.

Ja, Baustellen stiften Unruhe. Sie reißen Oberflächen auf, versperren altbekannte Zugänge und eingelaufene Wege, erfordern ein Umdenken, manchmal sogar eine neue Haltung. Aber jede Baustelle ist auch eine Möglichkeit, das Leben aus anderer Perspektive zu betrachten. Es lebe die Baustelle!

Schreibanregung

Wie stehst du zu Baustellen? Was sind deine Baustellen? Gibt es welche, die du liebst? Gibt es welche, die du hasst? Um welche Baustellen hast du dich schon (zu) lange nicht mehr gekümmert? Welche könntest du gelegentlich mal schließen? Was brauchst du und kannst du tun, um ungeliebte oder uninteressant gewordene Baustellen schließen zu können? Gibt es Baustellen, die zu eröffnen dringend erforderlich wäre? Was brauchst du und kannst du tun, um diese Art Baustellen jetzt anzugehen? Inwieweit sind andere Personen in deine Baustellen verwickelt? Ist das gut so? Hast du Lust auf neue Baustellen? Was brauchst du und kannst du tun, um damit loszulegen? Schreibe alles auf, was dir zum Thema „Meine Baustellen und ich“ einfällt! Viel Spaß!

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